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Zuguterletzt

Eheleute vergessen sehr schnell, wie glücklich sie einmal waren, wenn es zur Trennung kommt. Bosheiten und gegenseitige Schuldzuweisungen stehen im Vordergrund und prägen die Auseinandersetzungen von nun an. Es kann auch nicht ganz ausgeschlossen werden, daß die beauftragten Anwälte hierzu ihren Teil noch beitragen, in dem sie nämlich das vermeintlich Beste für ihre Mandantin oder aber für ihren Mandanten herausholen wollen; diese vergessen allerdings auch nicht selten, was das wirklich Beste für die Mandantin oder aber den Mandanten wirklich ist. Das liegt allerdings in der Natur der Sache. Anwälte sind eben nicht primär dafür da, unparteiisch vorzugehen, sie haben vielmehr ihre Aufgabe darin, Ansprüche einseitig und mit allem Nachdruck vorzutragen und möglichst auch durchzusetzen. Weil man in der Regel nicht ausschließen kann, daß es am Ende dann doch zu einem Vergleich kommt, wird mitunter auch einkalkuliert, daß der eigentliche Anspruch weitaus höher angesetzt wird als er tatsächlich berechtigt wäre. Die Gegenpartei, die derartig überhöhte Ansprüche aus heiterem Himmel über den eigenen Anwalt übermittelt bekommt, wird sich sodann ermutigt fühlen, etwaige Zugeständnisse, zu denen sie eigentlich bereit wäre, teilweise gänzlich zurückzunehmen, was dann wiederum die andere Partei zum Toben bringt. Das Ganze kann sich dann von Schriftsatz zu Schriftsatz immer höher schaukeln. Am Ende bleibt nur die vage Hoffnung, daß ein guter Richter Wahrheit und Lüge zu unterscheiden vermag. Insofern ist es sehr gut nachzuvollziehen, daß in Amerika etwa 85 % aller Trennungen und Scheidungen mittels Mediation gelöst werden. Wenn sich dort so viele Personen für ein Mediationsverfahren entscheiden, vermag es ein Rätsel zu bleiben, warum sich die deutschen Bürger in der großen Mehrzahl der Fälle für gerichtliche Auseinandersetzungen entscheiden. Ich selbst habe dafür zwar eine Antwort, möchte allerdings diese für mich behalten.

Freundlichst!

Günter Hagemann
Diplom-Finanzwirt (FH)
Steuerberater

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